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► Frankfurter Tabelle

Die berühmte “Frankfurter Tabelle” wurde von der 24. Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts entwickelt. Sie gibt brauchbare Anhaltspunkte für die Minderung des Reisepreises - je nach vorliegendem Reisemangel. Die Prozentsätze sind natürlich für andere Gerichte oder auch für die Reiseveranstalter keineswegs bindend - aber eine allgemein anerkannte Richtschnur.

Die Frankfurter Tabelle gibt es hier als PDF-Datei.

Anmerkungen zur Benutzung dieser Tabelle:

1. Geringfügige Beeinträchtigungen bleiben außer Betracht.

2. Die Höhe des Prozentsatzes richtet sich bei Rahmensätzen nach der Intensität der Beeinträchtigung. Diese ist in der Regel unabhängig von den Eigenschaften des einzelnen Reisenden (Alter, Geschlecht, besondere Empfindlichkeit). Ausnahmen hiervon:

a) Bei besonderen Eigenschaften oder Gebrechen eines Reisenden, die dem Reiseveranstalter bei der Buchung bekannt waren, kann bei besonders erheblicher Beeinträchtigung der einzelne Tabellensatz und der Höchstprozentsatz um 50 % erhöht werden.

b) Bei Mängeln der Gruppe III unterbleibt eine Minderung, wenn eine Beeinträchtigung für den Reisenden offenkundig oder nachweislich nicht gegeben war.

3. Der Prozentsatz wird grundsätzlich vom Gesamtreisepreis (also einschließlich Transportkosten) erhoben. Dabei werden die vom Reisenden gezahlten Beiträge für Versicherungen und Zuschläge für erhöhten Flugkomfort abgezogen. Aber Vorsicht: Nach der (überwiegenden) Rechtsprechung gilt dies nicht, wenn Flug und Unterkunft von zwei verschiedenen Reiseveranstaltern stammen!

a) Soweit Beeinträchtigungen während der Reisedauer nur zeitweise auftreten, wird für die Minderung der auf die entsprechende Zeit umgelegte Gesamtreisepreis zugrunde gelegt. Gleiches gilt, wenn die Gewährleistung des Reiseveranstalters wegen schuldhaft unterlassener Anzeige des Mangels (§ 651d Absatz 2 BGB) oder wegen Nichtannahme eines zumutbaren Ersatzangebotes entfällt.

b) In Ausnahmefällen (kleinere Mängel bis höchstens 10 %) kann der Prozentsatz dem anteiligen Aufenthaltspreis entnommen werden, wenn durch die Mängel der Gesamtzuschnitt der Reise nicht wesentlich verändert worden ist.

c) Bei zusammengesetzten Reisen (z. B. Rundreise mit anschließendem Hotelaufenthalt) ist die Minderung aus dem Gesamtreisepreis zu berechnen. Soweit einzelne Reiseteile betroffen sind, gilt das zu 3.a) Gesagte.

4. Bei Vorliegen mehrerer Mängelpositionen werden die Prozentsätze addiert.

a) Ist Gegenstand des Vertrages die Leistung von Unterkunft und Vollpension, so dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 50 %
Gruppe II (Verpflegung): 50 %
Gruppe III (Transport): 30 %
Gruppe IV (Sonstiges): 20 %

b) Ist Gegenstand des Vertrages die Unterkunft und Halbpension, erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 25 % und vermindern sich die Sätze der Gruppe II um 25 %. Dabei dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 62,5 %
Gruppe II (Verpflegung): 37,5 %
Gruppe III (Transport): 20 %
Gruppe IV (Sonstiges): 30 %

c) Ist Gegenstand des Vertrages die Unterkunft mit Frühstück, so erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 66,6 % und vermindern sich die Sätze der Gruppe II um 66,6 %. Dabei dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 83,3 %
Gruppe II (Verpflegung): 16,7 %
Gruppe III (Transport): 20 %
Gruppe IV (Sonstiges): 30 %

d) Ist Gegenstand des Vertrages nur die Unterkunft so erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 100 %; im Einzelfall kann der Gesamtprozentsatz der Gruppe I bis 100 % gehen. Für die Gruppe III verbleibt es beim Gesamtprozentsatz von 20 %, für die Gruppe IV beim Gesamtprozentsatz von 30 %.

5. Ist die Reise in ihrer Gesamtheit durch Mängel einzelner Reiseleistungen oder durch Pflichtverletzungen des Reiseveranstalters schuldhaft erheblich beeinträchtigt worden, so können die Minderungssätze bis zum vollen Reisepreis steigen.

6. Sonstiges:

Eine Kündigung nach § 651e Absatz 1 BGB kommt nur in Betracht, wenn Mängel von mindestens 20 % vorliegen. Hierbei ist bei einer Kündigung nach Fristsetzung (§ 651e Absatz 2 S. 1 BGB) auf die nicht fristgerecht behobenen Mängel, bei einer sofortigen Kündigung (§ 651e Absatz 2 S. 2 BGB) auf die bei Abgabe der Kündigungserklärung vorliegenden Mängel abzustellen.

Schadensersatzanspruch nach § 651f Absatz 2 BGB in Form eines Ersatzurlaub kommt in der Regel nur in Betracht, wenn - nicht fristgerecht behobene - Mängel mit einem Gesamtgewicht von mindestens 50 % vorliegen. 


► Kemptener Reisemängeltabelle

Wichtige und sehr gute Anhaltspunkte liefert auch die Kemptener Reisemängeltabelle von Prof. Dr. Führich, die Sie hier finden.


► Würzburger Tabelle zum Reiserecht bei Kreuzfahrten

Eine sehr hilfreiche Zusammenstellung von Urteilen hinsichtlich Kreuzfahrten finden Sie auf der Internetseite von Rechtsanwalt Kay P. Rodrega.

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