Reisekatalog

Reisekataloge, Prospekte bzw. entsprechende Internetseiten dienen der Beschreibung der verschiedenen Reiseziele und Reiseleitungen des jeweiligen Reiseveranstalters.

Nach § 4 Absatz 1 der Verordnung über die BGB-Informationspflichten vom 14. November 1994 muss ein solcher Katalog “deutlich lesbare, klare und genaue Angaben enthalten über den Reisepreis, die Höhe einer zu leistenden Anzahlung (…) sowie diverse Merkmale der Reise.”

Solche Prospektangaben werden Vertragsinhalt (§ 4 Absatz 2 Satz 1 BGB-InfoV), bestimmen also die Leistungspflicht des Reiseveranstalters.

Diese Verbindlichkeit kann der Reiseveranstalter jedoch gemäß § 4 Abs. BGB-InfoV durch einseitige Änderungsvorbehalte im Prospekt für konkret zu bezeichnende Merkmale der Reise verhindern, indem er vor Abschluss des Reisevertrages diese Leistungsänderung erklärt.

Weicht die erbrachte Leistung nachteilig von der nach dem Prospektinhalt geschuldeten ab, so handelt es sich um einen Reisemangel, der gemäß der §§ 651c ff. BGB zu Gewährleistungsansprüchen des Reisenden führt.

Fehlen im Katalog vorgeschriebene Informationen oder erweist sich die Angabe als unrichtig, ohne dass dies zu einem Mangel der Reise führt, so können dem Reisenden daraus Schadensersatzansprüche aus einer sogenannten Schlechtleistung erwachsen.


TIPP: Katalogangaben genau lesen und richtig interpretieren

  • Bitte lesen Sie die Katalogangaben ganz genau durch. Neben den eigentlichen Reiseangaben finden Sie dort häufig auch Einschränkungen oder negative Seiten des jeweiligen Objektes. Solche schon im Katalog benannten “Mängel” können später natürlich nicht beanstandet werden.
  • Vergleichen Sie die Beschreibung eines Hotels oder eine Ferienanlage bei verschiedenen Reiseveranstaltern.
  • Nutzen Sie die diversen Bewertungsportale im Internet!
  • Beachten Sie bitte auch immer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (“das Kleingedruckte”) des Reiseveranstalters, insbesondere die Vorschriften über Vertragsrücktritt, Haftung und Zahlungsbedingungen.
  • Lassen Sie sich nicht verschaukeln! Durch oftmals recht blumige Formulierungen werden zum Teil erhebliche Einschränkungen und Defizite verschleiert!

Katalogangaben sind wie folgt zu “lesen” (mit freundlicher Genehmigung der urbs-media GbR / www.urbs.de):

  • Direktflug: Wer einen Direktflug gebucht hat, muss dennoch mit einer Zwischenlandung rechnen. Lediglich der Nonstop-Flug bringt den Reisenden unmittelbar zum Zielfughafen. Ein Direktflug soll lediglich besagen, dass das Flugzeug unterwegs nicht gewechselt werden muss.
  • Kurzer Transfer zum Flughafen: Wenn zwischen Hotel und Flughafen nur eine kurze Wegstrecke zurückgelegt werden muss, bedeutet dies im Regelfall zugleich nicht unerhebliche Lärmbelästigungen durch den nahen Flughafen (Anflugschneise).
  • Direkt am Meer: Ein Hotel direkt am Meer bedeutet nicht, dass der Reisende vor der „Haustüre“ auch baden kann. Andernfalls würde es im Reisekatalog „direkt am Strand“ heißen. Und wenn ein Feriendorf laut Prospekt direkt am Strand liegt, bedeutet dies noch lange nicht, dass auch die zugewiesene Unterkunft in Meernähe liegt.
  • Idylle in ruhiger Lage: Diese Umschreibung deutet darauf hin, dass es sich um einen Ferienort handelt, in dessen Umgebung es keinerlei touristische Infrastruktur gibt.
  • Meerseite: Eine Unterkunft zur Meerseite heißt in der Praxis, dass sich zwischen dem Meer und der Unterkunft noch weitere hohe Gebäude befinden, die den unmittelbaren Meerblick versperren. Nur die Bezeichnung „Meerblick“ garantiert die ungestörte Aussicht, wobei diese Eigenschaft häufig zusätzlich mit der Einschränkung „seitlicher Meerblick“ (z. B. von der Ecke des Balkons) eingeschränkt wird.
  • Naturstrand: Diese Beschreibung lässt darauf schließen, dass es dort keine Toiletten und Umkleidekabinen usw. gibt und auch der vom Meer angeschwemmte Abfall praktisch nicht oder nur unregelmäßig beseitigt wird.
  • Zentral gelegenes Hotel: Diese Formulierung bedeutet in der Sprache der Reiseveranstalter, dass mit erheblichen Lärmbelästigungen rund um die Uhr durch Straßenverkehr zu rechnen ist.
  • Unmittelbar an der Strandpromenade: Auch diese Beschreibung deutet im Regelfall ebenfalls darauf hin, dass es in der Unterkunft durch Verkehrslärm bis in die frühen Morgenstunden recht laut ist. Sicher vor derartigen Belästigungen ist der Reisende nur dann, wenn die Strandpromenade ausdrücklich als Fußgängerzone bezeichnet wird.
  • Verkehrsgünstige Lage: Auf zu erwartende Lärmbelästigungen deutet es auch hin, wenn eine Unterkunft als „verkehrsgünstig gelegen“ bezeichnet wird.
  • Internationale Atmosphäre: Ein Hotel mit internationaler Atmosphäre deutet darauf hin, dass dort üblicherweise Vereine und Gruppen aus aller Herren Länder die Nacht zum Tage machen.
  • Aufstrebender Ferienort: Ein derartig beschriebener Urlaubsort zeichnet sich dadurch aus, dass dort überall gebaut wird und die örtliche Infrastruktur erst noch im Aufbau ist.
  • Kinderfreundliches Haus: Wer Ruhe und Erholung sucht, sollte ein „kinderfreundliches Haus“ nach Möglichkeit meiden.
  • Zweckmäßig eingerichtete Unterkunft: Diese Beschreibung entlarvt sich von selbst. Wer würde ein Hotel mit einer „unzweckmäßigen“ Unterkunft buchen? Zweckmäßig bedeutet also lediglich eine Minimalausstattung ohne jeglichen Komfort.
  • Helle und freundliche Zimmer: Diese Beschreibung ist ebenfalls nichtssagend (das Gegenteil wäre dunkel und unfreundlich). Der vom Reisenden zu erwartende Komfort liegt häufig nur unwesentlich über der „zweckmäßig eingerichteten“ Unterkunft. Wer auf einen gewissen Komfort Wert legt, sollte daher z. B. auf folgende Zimmer-Beschreibungen achten: „Geschmackvolle Einrichtung“, „geräumig und (sehr) komfortabel“ oder „luxuriös eingerichtet“.
  • Klimatisierbare Zimmer: Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie beim beheizbaren Schwimmbad: Der Reisende hat keinen Anspruch darauf, dass die Klimaanlage (oder im Winter die Heizung) tatsächlich eingeschaltet werden. Sicherheit gibt hier nur die Formulierung „individuell regelbare Klimaanlage / Heizung“ im Reisekatalog.
  • Abendliche Tanzveranstaltungen: Ein Hotel mit abendlichen Tanzveranstaltungen bedeutet im Regelfall, dass an Schlafen bis zum frühen Morgen nicht zu denken ist. Lediglich eine Bezeichnung wie z. B. „schallisolierte Diskothek“ gibt dem ruhesuchenden Reisenden zumindest Sicherheit vor unmittelbarem Musiklärm.
  • Beheizbarer Schwimmbad: Wenn ein Hotel-Pool als beheizbar bezeichnet wird, heißt dies bei weitem noch nicht, dass das Wasser dort auch tatsächlich geheizt wird.
  • Thema Frühstück:
    • Kontinentales Frühstück: Wer eine Unterkunft mit „kontinentalem Frühstück“ bucht, muss sich im Regelfall mit einer Minimalversion zufrieden geben: Brot, Marmelade, Butter und Kaffee oder gegebenenfalls Tee.
    • Verstärktes Frühstück: Das sogenannte erweiterte oder verstärkte Frühstück lässt darauf hoffen, dass es zusätzlich zum kontinentalen Frühstück manchmal noch ein Ei und eine Scheibe Wurst oder Käse gib.
    • Internationale Küche: Wenn ein Reisekatalog eine internationale Küche anpreist, deutet dies üblicherweise auf Mahlzeiten auf dem Niveau einer deutschen Werkskantine hin. Zumindest kann der Urlauber im Regelfall davor sicher sein, mit der einheimischen Landesküche in Berührung zu kommen.
  • All-Inclusive: Dieser Begriff steht grundsätzlich für einen Urlaub ohne jegliche Nebenkosten. Die Reisebedingungen schränken die Verpflegungsleistungen jedoch häufig wieder ein. Teilweise gibt es feste zeitliche Begrenzungen (z. B. Getränke nur von 11.00 bis 23.00 Uhr) oder auch räumliche Einschränkungen (z. B. Getränke nicht in der Hotel-Diskothek und nicht an der Strandbar). Andere Einschränkungen betreffen häufig auch die Art der Getränke (z. B. nur lokale Getränke der betreffenden Region).
  • Mietsafe: Wenn in Hotels oder Appartements ein Mietsafe angeboten wird, sind für dessen Nutzung nicht selten unverhältnismäßig hohe Gebühren zu entrichten. Das gleiche gilt teilweise auch auch für Fernseher, Elektro-Heizkörper, Klimaanlagen, Kühlschränke oder Poolliegen („gegen Gebühr“). Hierdurch erhöhen sich die Unterkunftskosten durch vor Ort zu leistende Zuzahlungen häufig nicht unerheblich.