Reiseveranstalter

Gesetzlich ist der Reiseveranstalter nicht ausdrücklich definiert. Für die Einordnung als Reiseveranstalter genügt aber nach der genannten Definition des Reisevertrages jede Tätigkeit (gewerbliche Tätigkeit und Gewinnstreben oder ein besonderer Reisezweck sind nicht erforderlich), die auf die Gestaltung einer Reise gerichtet ist (z. B. auch die Leserreise einer Zeitung oder die Kunstreise einer Volkshochschule oder eines Galeriefördervereins).

Entsprechend anwendbar ist das Reisevertragsrecht des BGB, wenn ein Reisebüro als Veranstalter mit Verantwortung für den Erfolg als Einzelleistung ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung zu Urlaubszwecken anbietet.

Die Informationspflichten des Reiseveranstalters richten sich – neben den allgemeinen Vertragspflichten – nach der “BGB-Informationspflichten-Verordnung (BGB-InfoV)” vom 2. Januar 2002.


Zur Abgrenzung Reiseveranstalter / Reisevermittler

Manchmal ist es ziemlich schwierig, zu unterscheiden, wer Reiseveranstalter, wer “nur” Reisevermittler ist. Die Rechtsprechung stellt strenge Anforderungen an eine deutliche Abgrenzung von Reiseveranstaltertätigkeit und reiner Vermittlungstätigkeit der Tourismusstellen.

Abgrenzungsmaßstab ist § 651a Absatz 2 BGB. Nach der Rechtsprechung kommt es allein auf die Sicht des Kunden an. Wer aufgrund der gesamten Umstände, insbesondere des Reisekatalogs und der Werbung dem Kunden nach außen hin als der Verantwortliche erscheint, der muss sich auch wie ein Reiseveranstalter behandeln lassen und unterliegt der Haftung des Reisevertragsrechts. Eine Vermittlerklausel im Katalog ist unbeachtlich, wenn die sonstigen Umstände, Werbung, Kataloggestaltung und Buchungsunterlagen, aus der Sicht des Kunden für eine Veranstaltertätigkeit sprechen.

Es kann somit jemand Reiseveranstalter sein, ohne sich als solcher zu bezeichnen. Die Gerichte entscheiden die Abgrenzungsfrage sehr kundenfreundlich. Ob ein Reisebüro als Veranstalter oder als Vermittler tätig wird, hängt regelmäßig davon ab, wie der Reisende die Erklärungen und das Gesamtverhalten des Reisebüros verstehen darf. Zusammenfassend zur Wiederholung:

→ Reiseveranstalter ist,

  • wer mindestens zwei touristische Hauptleistungen (z. B. Beförderung und Unterkunft, Unterkunft und Sport oder Hobbykurs; nicht Unterkunft mit Frühstück oder Vollpension)
  • in einem Angebotspaket gebündelt
  • zu einem Gesamtpreis anbietet
  • und die Gesamtheit der Reiseleistungen in eigener Verantwortung und für eigene Rechnung organisiert, anbietet und durchführt
  • Vertragspartner des Kunden ist der Reiseveranstalter.

Beispiele für einen Reiseveranstalter:

  • Anbieter von Pauschalreisen;
  • Sportclub, der Jahresreise für seine Mitglieder allein verantwortlich organisiert;
  • Vermieter von Ferienwohnung oder Ferienhaus, wenn er nicht der Eigentümer ist. Der Bundesgerichtshof wendet in diesem Fall §§ 651a bis 651l BGB analog an;
  • Vermieter von Bootscharter, wenn der Reisende die Bootsreise nicht selbst organisiert. Der Bundesgerichtshof wendet in diesem Fall §§ 651a bis 651l BGB analog an;
  • Volkshochschule, die Besichtigungsreise anbietet;
  • Zeitungsverlag, der Leserfahrt anbietet.

→ Reisevermittler ist, wer lediglich Reiseleistungen im fremden Namen und auf fremde Rechnung vermittelt.

  • Der vermittelte Vertrag kommt nur zwischen dem Kunden und dem Anbieter der vermittelten Leistung zustande.
  • Die Vertragsabwicklung und die Abwicklung evtl. Leistungsstörungen erfolgen zwischen den Vertragspartnern.
  • Zwischen Reisevermittler und Kunden kommt ein Geschäftsbesorgungsvertrag zustande: Der Vermittler schuldet den fachgerechten Abschluss des vermittelten Vertrages (z. B. Beherbergungsvertrag) und hat insoweit Beratungs- und Informationspflichten.